Politische und religiöse Stifterbilder des Berliner Patriziats - PMKB - Patrizier Marienkirche Berlin -> Politische und religiöse Stifterbilder des Berliner Patriziats - Kapitellsteine des Blankenfeldehauses

Neben dem Stifterbild des Paul Blankenfelde zeigt sich das Repräsentationsbedürfnis der Familie vor allem auch an den Kapitellsteinen ihres Hauses.

1889 wurden bei Abriss des Hauses in der Spandauer Strasse 49 auf einem Kapitellstein die Wappen der Stroband, Wins, Blankenfelde und (Lantzsberg) (23) gefunden. Das so benannte Stammhaus der Blankenfelde ist in der Spandauer Strasse 49 zu lokalisieren. Aber die Blankenfeldes hatten noch andere Häuser. Bisher ging man davon aus, dass die Wappen auf dem gefundenen Kapitellstein im Haus, Nr. 49, Wappen von Berliner Bürgermeisterfamilien aus dem 14. Jahrhundert seien (24). Aber es lassen sich die Wappen noch genauer definieren. Sie stehen alle mit der Familie Blankenfelde in Verbindung. Hier zeigt sich nämlich am Kapitellstein des Hauses das besondere Repräsentationsbedürfnis (25) der Blankenfeldes. Überhaupt findet im 15.Jahrhundert ein gesteigertes Baugeschehen in Berlin statt (26). Auf den Wappen des Kapitellsteines sind drei Ehen festgehalten. Bei sechs Personen vermutet man sechs Wappen. Auf dem Kapitellstein sind aber nur vier Wappen. Wie ist das zu erklären? Wilcke ließ auf dem Stein folgende Ehen darstellen und wies diese durch vier Wappen aus. (27)

Wilcke Blankenfelde  °°  Katharina Wins (die eigene Ehe)

Paul Blankenfelde     °°  Anna Stroband ( Ehe der Eltern)

Peter Blankenfelde   °°  N.N. Lantzsberg (Ehe der Großeltern)

Solche genealogischen Darstellungen werden in dieser Zeit häufiger und sind auch auf Taufsteinen belegt (28). Der Laubstab und Fries der Glocke von Wilsnack aus dem Jahr 1471 hat ein vergleichbares Gestaltungsbild wie der Laubstab des Kapitellsteines im Blankenfeldehaus. Es sind also Wappendarstellungen, die zeitlich ins 15.Jahrhundert eingeordnet werden können. Die Wappen selbst gab es schon früher, wie das Stifterbild von Paul Blankenfelde zeigt. Da Wilcke, wie oben erwähnt 1474 stirbt, ist anzunehmen, dass der Bau mit dem Kapitellstein und der Mittelsäule zu dieser Zeit schon fertiggestellt war. Wilcke Blankenfelde hat als Auftraggeber am Baugeschehen des Hauses Spandauer Str. 49 mitgewirkt. Das Haus befand sich hinter dem roten Rathaus an der Stelle des heutigen Parkplatzes. Insgesamt fordern die genealogischen Bezüge eine Einordnung des Kapitellsteins ins 15. Jahrhundert. Mit den genealogischen Angaben ergibt sich eine Übereinstimmung der Wappen auf dem Kapitellstein, so dass man das Haus mit der Familie Blankenfelde in Verbindung bringen kann.

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