Politische und religiöse Stifterbilder des Berliner Patriziats - PMKB - Patrizier Marienkirche Berlin -> Politische und religiöse Stifterbilder des Berliner Patriziats

Die letzte Stiftung , die die Blankenfeldes für die Klosterkirche praktizierten, ist das Tafelbild des Thomas Blankenfelde-Bürgermeister von Berlin

Das nun zu betrachtende Tafelbild ist das des Thomas Blankenfelde. Bei diesem Bild liegt es nahe an ein Stifterbild zu denken, das möglicherweise später ein Epitaph wurde.

Die Stifterfiguren treten schon sehr deutlich in den Vordergrund und weisen auf den Übergang zur Selbstdarstellung hin. Bei Müller/Küster ist zu lesen:“ In der Klosterkirche zu Berlin ist eine Tafel, an welcher folgende Worte zu lesen sind: „Anno a nativitate Domini milesimo quingentesimo quarto, quinta feria post Esto mihi, vita bene beateque exacta obiit Thomas Blankenfeld, quinque et decem filiis relictis superstitibus manoque nepotum numero cujus manibus Deus tribuat aeternam felicitatem, vixit annos duos de septuaginta.“

Übersetzt: “Im Jahre der Geburt des Herrn 1504,am fünften Tag nach Estomihi verstarb nach vollendetem gutem und glücklichem Leben Thomas Blankenfeld, von den 15 überlebenden nachgelassenen Kindern und der großen Zahl der Enkel, dem Gott durch Eid die ewige Seeligkeit zurechnen möge, er hat zwei Jahre weniger 70 gelebt.“ (42)

Wir hätten hier einen deutlichen Hinweis auf ein Stifterbild im Übergang zum Epitaph. Kinder und Enkel widmen eine Tafel, die aus dem Jahre 1554 stammt, wie man in den „Vermischten Schriften“ lesen kann. (43).

Als Todesdatum für Thomas Blankenfelde steht der 23. Februar 1504 fest (44). Interessant auch für die Datierung ist, dass sich auf dem Bild 21 Kinder befinden, also mehr als auf der späteren Tafel erwähnt. Von diesen 21 Kindern haben also nur 15 überlebt. Diese 15 Kinder haben dann allem Anschein nach zum ursprünglichen Stifterbild des Thomas Blankenfelde eine Inschrifttafel hinzugestiftet. So hätten wir hier einen schönen Beleg für den Übergang vom Stifterbild zum Epitaph. Mit Sicherheit passt der Stil des Bildes nicht in die Zeit um 1554, also eine Zeit nach der Reformation in Berlin. Das Bild wird ins Jahr 1504/5 datiert. Auftraggeber wird Thomas Blankenfelde selbst gewesen sein. Margarete ist mit einem roten Kleid dargestellt, was auf eine Zeit vor 1504 hinweist (45). Auch ist ihr „hertzer lieber sone“ (46) Johann auf dem Bild mit einem Doktorhut (rot) dargestellt, den er in Leipzig 1502 erworben haben dürfte (47). Er ist noch nicht als Bischof dargestellt, der er 1518 war (48). Das Bild ist vor 1504, wahrscheinlich nach 1502, dem Todesjahr von Hans Blankenfelde, in Auftrag gegeben worden, wodurch auch Thomas an seinen Tod erinnert wurde. Die Datierung um diese Zeit ist sehr wahrscheinlich.

Wenn auf dem Bild die Anordnung der Kinder hinter Thomas auf die Nürnberger Vorschriften der Stiftermalerei, die Anordnung der Kinder vor der Ehefrau auf die schwäbische Art hinweist (49), dann wäre, wie beim „Meister des Epitaphs Wins“, an einen Maler der Traut-Werkstatt zu denken. Hier bestätigt sich der Vergleich der Bilder von Gatow(Wins-Epitaph) und Berlin (Thomas Blankenfelde-Epitaph). Ob bei der Darstellung einer Tochter mit einer durchsichtigen Haube, die ja kaum eine Ehehaube aus der Zeit um 1504 ist, auf das Schicksal von Katharina Hornung, geb. Blankenfelde, als Mätresse des Kurfürsten hingewiesen werden sollte, bleibt offen. Für die Entstehungszeit des Bildes ist dies nicht wahrscheinlich. Steht sie unter dem Kreuz in Anspielung an Maria Magdalena? Dann könnte es sich nur um eine spätere reformatorische Übermalung nach 1539 handeln. Als Grund dafür wäre der der Gedanke der allein erlösenden Kreuzesgnade vorstellbar. Anlass könnte der 50. Jahrestag mit der Anbringung der Tafel der Kinder und Enkel gewesen sein. Forderte die Anbringung der Tafel eine Neuorientierung des Bildes auf das reformatorische Gedankengut und damit eine sehr vorsichtige Übermalung? Diese Frage wird offen bleiben müssen. Sie ist aber nicht auszuschließen.

DruckenE-Mail