Stifterbilder nach 1500 und reformatorische Malerei auf Stifterbildern des 16. Jahrhunderts

von Albrecht Hoffmann

Die Berliner Bürgermeister und Patrizier haben auch im 16. Jahrhundert die Stifterbildtradition fortgeführt. Hinzu kamen die Zünfte mit ihren Stiftungen. Auch sie übernehmen nun repräsentative Funktionen. Ein Stifterbild eines Bürgermeisters von Berlin ist das Bild des Benedikt Krull mit seiner Familie aus dem Jahr 1526. Bisher wird dieses Bild leider immer noch als das so genannte Kettwig – Epitaphgemälde bezeichnet. Hier ist also eine Korrektur nötig. Betrachten wir dies Bild etwas genauer.

Dieses Gemälde wird Lukas Cranach d. Ä. zugeschrieben. W. Schade hat dies bestritten. Unbestritten ist aber die Zuordnung zur Cranachschule. Als Stifter soll es den Kanzler Wolfgang Kettwig darstellen. Dass das Bild wahrscheinlich Kettwig zeige, äußert erstmals Leh (1).

Müller /Küster behaupten: “Die Geburt Christi, worauf ein Cantzler so in dieser Kirche begraben, mit seiner Familie exprimiret seyn soll“ (2). Kettwig kann aber nicht dargestellt sein, da das Wappen zu den Füßen des Stifters gegen Kettwig spricht. Kettwigs Wappen zeigt einen nackten Bogenschützen mit einem Fischschwanz (3). Auch der Lebenslauf Kettwigs lässt nicht zu, an Kettwig zu denken, zumal im Bild die Datierung 1526 erkennbar ist.

Wolfgang Kettwig ist der Sohn eines Leipziger Bürgers, der mit den Fuggern und Welsern handelte. Sein Vater besaß einige Berganteile und war bei den Fuggern mit über 3000 Gulden im Schuldkonto. Er verlor später erhebliche Berganteile an die Fugger, womit er wohl seine Schulden bezahlte. Kettwig ist um 1475 in Göttingen geboren, denn eine Leipziger Matrikel erwähnt 1491 „Wolfgang Kettwich de Göttingen“. 1496 ist er bereits in Leipzig als Bakkalaureus erwähnt. 1510 ist er Doktor beider Rechte (= IUD). Am 29. Juli 1515 wird er von Joachim I. zum Hofrat berufen, mit der Aussicht auf das Kanzleramt. Kanzler wird er 1529 (4). Gestorben ist er 1541: „Der Erbare und Veste Wolffgang Kettwig Cancellarius Ellectoralis moritur hoc anno Mittwochs in Weihnachten.“ (5) Das Weihnachtsmotiv des Bildes und das Weihnachtstodesdatum des Kettwig haben das Ihre zur Legendenbildung beigetragen.

Kettwig hatte natürlich ein Epitaphbild, das aber “...Ohngefähr A. 1641 Alters halben herunter gefallen, und...nicht wieder in den alten Stand gesetzet worden“ (6). Nach dem bisher Dargestellten kann Kettwig der Stifter nicht sein.